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Montag, 26. September 2016

4. Florenz. Gegenüberstellung



Im August war sehr heiß, plus 35. Trotzdem waren die Touristen bereit alle historischen Denkmäler zu stürmen, die Kathedrale Santa Maria del Fiore auf jeden Fall. Wir machten das nicht. Wir: Schwächlinge, Weicheier. Ich rettete mich ins Detail und schaute mir die "Paradiespforte" von Lorenzo Ghiberti (Baptisterium San Giovanni). Eine Kopie aus 19. Jahrhundert, das Original wird in einem Museum aufbewahrt.  


Samstag, 24. September 2016

2. Florenz. SANTA CATERINA



Fast seit den ersten Stunden in Italien vermisste ich eine Alternative zu der altrömischen oder Renaissance-Kunst. 
Man sieht überall nur perfekte klassische Körper und nichts anderes. Wenn man Augen zumacht, steht immer noch David da... Und dann - so unglaublich modern, erfrischend: Die Heilige Catarina! Fast "zeitgenössische" Plastik! 
Auf dem Bild:

Arte Senese, sec. XV
SANTA CATERINA DA SIENA 


Freitag, 15. Januar 2016

Dein Körper: beschütze, verschönere und hege!



Aktuelle Textil-Trends "Well-Being 4.0"/"Das Wohlbefinden 4.0", Heimtextil 2016, Frankfurt-am-Main



Craft. "Well-Being 4.0"/"Das Wohlbefinden 4.0", Heimtextil 2016, Frankfurt-am-Main
 
Der aktuelle Ölpreis fiel in dieser Woche unter 30 Dollar pro Barrel. Vor acht Jahren war der noch 140, kurz vor dem Absturz im Sommer 2008. Damals wurde prophezeit, dass der Ölpreis in zwei Jahren die 200-Dollar-Grenze überschreiten können hätte. Heute wird gesprochen, ein Barrel Öl würde in 2040 160 Dollar kosten. Worum geht’s? Ja, um die Bodenschätze, das Erdinnere. Und um die Wahrsagerei mit dem Kaffesatz. Oder mit dem Ölfleck?
Die Krise lehrt nicht. Wahrsager oder Kartenleser machen ihre Prophezeiungen weiter. Aber die Kreative, Designer und Architekten hörten damit auf, also mit dem abzocken. Nach der Krise 2008 wurden sie nüchtern, ließen den sinnlosen Spielen mit den leeren Formen beiseite und fangen mit der vernünftigen Wohnungs- /Lebens- / Erde-Einrichtung an. Wenn möglich, dann ohne Bodenschätze, nur mit Sonne, Wasser, Wind und organische Natur. Man konnte diese Tendenz verstehen, als der Ölpreis noch 100 Dollars pro Barrel war, aber jetzt bei 30 machen die Kreative immer weiter. Sie laden Batterien mit Sonnenenergie, heizen Häuser mit Hilfe von Photosynthese (grüne Algen), machen aus Buchweizen oder Maisschrot mit Hilfe Myzelium neue organische Kunststoffe. 

Nachhaltigkeit. "Well-Being 4.0"/"Das Wohlbefinden 4.0", Heimtextil 2016, Frankfurt-am-Main

Designer machen es unbeirrt weiter: Sie bereichern, pflegen, schützen, versorgen. Die handeln. Ja, aber auch die aktuellen Tendenzen tragen solche Namen: bereichern, pflegen, schützen, versorgen. Die vier oben genannten Trends wurden visualisiert von zwei US-Designerinnen Lisa Douet und Helen Sac von WGSN in der Ausstellung Theme Park in Rahmen der Messe Heimtextil 2016 in Frankfurt-am-Main.


Sonntag, 20. September 2015

Kunst als Attraktion. Ausflug ins Ruhrgebiet



Text und Fotos: Elena Newerdowski

Wer denkt, Kunst ist eine ernste Sache, der sollte sich die Werke der niederländischen Ateliers van Lieshout anschauen, um seine Meinung zu ändern. Die Kunst kann alles sein. Ernst, lustig, nachdenklich, amüsant. Der Künstler Joep van Lieshout will niemals zu süß oder zu brav erscheinen, dafür aber - witzig, provokant, scharfsinnig, aber auch verrückt und manchmal sogar brutal, gemein und abscheulich. Eine Bar im überdimensional großen  Dickdarm? Na, bitte! Eine Herberge in der Gebärmutter? Geht auch! Das Terroristenlabor als Kunstobjekt? Warum nicht? 
"The Good, the Bad and the Ugly"
Atelier van Lieshout. Ausstellung.

BarRectum, 2005. Jetzt wird als Informationsstelle benutzt.
 Um seine Kunst kennenzulernen, muss man nicht weit fahren. Genau jetzt läuft die Ausstellung des Ateliers van Lieshout in Bochum in Rahmen der Ruhrtriennale. Den Namen der Ausstellung, den der Künstler sich von dem bekannten Western auslieh, ist "The Good, the Bad and the Ugly". Warum? Weil die Welt, wie der Künstler erklärte, nicht nur gut und böse, sondern auch hässlich sein kann. Das zeigen auch seine typischen Themen: Leib und Leben, Krieg und Terror, Sex und Gewalt, Nahrung, Energie, Recycling. 



Der Künstler Joep van Lieshout

Diesen provokanten Künstler brachte nach Bochum Johan Simon, ein niederländischer Theater- und Opernregisseur.

Sonntag, 1. Januar 2012

Meine italienische Reise. Post-Diarium




12. Rom. Seine malerische Seite

Ich lernte altrömische Kunstgeschichte in einer Kunstschule in 1980-er nach Lehrbüchern von 1970-er Jahren. Vielleicht deswegen stellte ich das Altertum fast immer weiß, farblos, wie aus Marmor gemeißelt vor. Auch später, als ich die altrömische Geschichte studierte, brachte mich keiner von meiner Vorstellung ab. Nur die Fayumportäten nannte man damals, wenn die Rede um Malerei von Altertum ging. Ich vermute, alle sowjetischen Kunsthistoriker konnten die Kunstgeschichten nur nach den Artefakten aus sowjetischen Museen  kennenlernen, erforschen, beschreiben, einschätzen.


  
Auf dem Foto: "Gartensaal", Villa di Livia, 1 Jhd. vor Ch. Diese Wandmalerei wurde 1863 im römischen  Stadtteil Prima Porta (Ad Gallinas Albas) entdeckt, in 1951 abgenommen. 
Museo Nazionale Romano / Palazzo Massimo alle Terme


11. Rom. Die Maske aus Chryselephantin

Ich habe nie wirklich nachgedacht, ob der schwarze archäologische Markt so schlimm wäre. Ja, mir war klar, dass Dilettanten die Ausgrabungen beschädigen oder gar vernichten, aber was könnten sie finden? Ja, mir war auch klar, dass die Artefakten illegal verkaufen würden, aber wir haben doch schon genug, es gibt so vielen Museen! Das dachte ich. Früher. Die erste Offenbarung war eine chinesische Lackschatulle, die auf skythischer Krim gefunden wurde... Und die zweite ist eben passierte. In Rom. 


Auf dem Foto: Ein Gesicht, das aus einem Stoßzahn (60 cm Diameter) eines afrikanischen Elefanten  (Buhler) geschnitzt wurde. Ein Teil von einem Kunstwerk, das in einer Römischen Villa von schwarzen Archäologen gefunden wurde. Gleichzeitig wurden auch Teilen vom Hand  und Arm entdeckt (Stoßzahn von einer Elefanten-Kuh). Die Artefakte kamen in die Sammlung dank der Ermittlungen einer Carabinieri-Einheit (Carabinieri Art Squad) in 2003. Alles fing mit einem Polaroidbild an, das auf dem Schwarzmarkt in 1994 für Sensation sorgte. Nach einigen Jahren Ermittlungsarbeit wurden die Sachen in London bei zwei Dealern  entdeckt und nach "legalen Prozeduren" zurück nach Italien gebracht.   
Man kann nur vorstellen, vermuten, wie die Werke aus Chryselephantin (Elfenbein und Gold) ausgesehen konnten. In Museum sind nur Fragmente zu sehen, die aber so wunderschön sind, das jedem  der Atem stocken bleibt. Man sieht Lebendigkeit der Haut, inneres Leben, Licht...   
Museo Nazionale Romano / Palazzo Massimo alle Terme

10. Rom. Eine Antikensammlung voller Überraschungen


Hände eines Kämpfers.  
Museo Nazionale Romano / Palazzo Massimo alle Terme 

Fast alle, die antike Rom an einem Tag sehen wollen, fangen mit dem Kolosseum an. Und das ist richtig, weil später es zu heiß wird und viel zu viel Besucher kommen. Dann spaziert man direkt zum Forum, es ist klar, es ist auch richtig. Aber es gibt in Rom noch ein Museum, das leider nicht so oft empfohlen ist, wie die anderen antike Orte: Palazzo Massimo alle Terme. 


Altrömische "Barbi" aus einem Marmorsargophage (Tivoli, Ende 2. Jahrhundert vor Ch.). Die Frisur erinnert sich an Giulia Domna, die Frau vom Kaiser Settino Severo. 

Museo Nazionale Romano / Palazzo Massimo alle Terme 


"Entführung des Hylas von Nymphen" Opus sectile, Rom. Erste Hälfte 4 Jh.  

Museo Nazionale Romano / Palazzo Massimo alle Terme 


Das Museum befindet sich in unmittelbare Nähe zum Hauptbahnhof, Stazioni Roma Termini. Deswegen sind wir eingegangen: uns fehlte die Zeit für die Caracalla Thermen, zum Beispiel. Und wir ahnten nicht, so viel Überraschendes zu sehen. 


Herakles, wahrscheinlich ein Schauspieler in dessen Rolle. Römische Kopie des griechischen Originals aus 3 – Mitte 2 Jh. V. Ch. 
Museo Nazionale Romano / Palazzo Massimo alle Terme